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Eine emotionale wie räumliche Kreisbewegung

Take this Waltz (2011) ist ein kanadisches Comedy-Drama von Sarah Polley. In den Hauptrollen spielen Michelle Williams, Luke Kirby (Rectify!) und Seth Rogen. Es ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie der Raum eine subtile, dramaturgische Bedeutung schafft. Vielen Dank Angelika für den Hinweis!

Ich zeichne den Inhalt des Films nur ziemlich kursorisch nach, möchte mich auf ein Set und wenige Szenen beschränken: Sie betreffen vor allem Anfang und Ende des Films:

In der Titelsequenz steht Margot am Herd, bereitet Muffins zu und schiebt sie in den Ofen. Wie sich danach herausstellt, ist es die Küche des schon länger verheirateten Ehepaares Margot und Lou. Margot sitzt am Ende der Szene am Boden und lehnt am Backrohr. Sie blickt vor sich hin – in Richtung Kamera. Ein Mann kommt ins Bild. Er geht an Margot vorbei und stellt sich im Hintergrund ans Fenster. Wir sehen erst nur seine Beine und danach seine unscharfe Silhouette.

Die nächsten Szenen führen uns auf eine Reise, die Margot alleine unternimmt und dabei Daniel kennenlernt. Nach einer langen Annäherungsphase verlässt sie Lou, bzw. lässt Lou sie ziehen. Das neue Paar steht in einem fast leeren Loft und entkleidet sich. Die Kamera bewegt sich um das Paar, die Möbel verdecken immer wieder den Blick auf die beiden und werden wie Schnitte eingesetzt, die zeitliche Sprünge erzählen. Wir sehen mit jedem weiteren Blick auf die beiden ihr Liebesspiel in einer immer kompletter möblierten Umgebung. Die Intensität klingt mehr und mehr ab, die Kamera hält an, als beide müde und bebrillt vor den Nachrichten sitzen. Diese Szene, begleitet vom titelgebenden Musikstück Take this Waltz von Leonard Cohen könnte so etwas wie das Epizentrum der Erzählung sein, der Punkt auf den alles zuläuft und danach wieder abebbt. Aber die Bewegung ist nicht geradlinig, am Ende wird die Küchenszene des Anfangs gespiegelt:

Wieder bereitet Margot Muffins zu: Die Küche ist aber nicht ihre aktuelle Küche, sondern eher die von Lou- einige Requisiten/Details wurden ausgetauscht, aber einzelne Einstellungen blieben exakt gleich. Der Mann im Hintergrund ist nun scharf zu sehen: Es ist Daniel – aber in der falschen Küche.

Beim nochmaligen Ansehen stellt sich heraus, dass der Mann in der Unschärfe zu Beginn des Filmes auch Daniel ist – also die richtige Küche, der falsche Mann.

Erst durch die Wiederverwendung eines fast identen Filmsets wird wunderbar in Schwebe gehalten, was eigentlich passiert ist – Margot könnte sich sowohl die erste, als auch die zweite Beziehung nur vorgestellt haben. Sie könnte aber auch an einem Punkt angekommen sein, der sich wiederholt, … oder die Regisseurin vollführt mithilfe der Ausstattung eine weitere Drehung (Take this Waltz!), die dem Gesehenen im Nachhinein ganz verschiedene Interpretationsräume öffnet.